Mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst “weltwärts” hat das BMZ 2008 eine Chance für alle Deutsche geschaffen, nun auch in ärmeren Ländern sich zu engagieren. Doch wie sieht es für Ausländer aus, die gerne einen Dienst in Deutschland leisten möchten?
Dies ist unter anderem ein Kritikpunkt an weltwärts – das Programm ist einseitig. Wir gelangen überall hin, doch Ausländer kommen meist nirgendwo hin. Dabei wäre ein beidseitiger Austausch die logische Konsequenz der Weiterführung des Gedankens vom interkulturellen Dialog.
Der Freiwilligendienst eines Ausländers in Deutschland kann genau so viel bewirken wie umgedreht der Dienst eines Deutschen im Ausland. Warum auch nicht? Seine Erfahrungen aus Deutschland könnten ihm zum Beispiel zurück in seiner Heimat einen starken Impuls geben, ebenso könnte er durch sein anderes Verständnis in Deutschland bestimmte Zustände besser aufspüren und hinterfragen.
Da ein Freiwilligendienst meist leider teuer ist, können sich dies viele Ausländer nicht leisten. Wie wäre es, wenn wir als deutsche Freiwillige einen Partner im Ausland finden, der nach Deutschland geht, so dass ein 1:1 Austausch stattfindet? Bei finanziellen Schwierigkeiten kümmert sich der deutsche Freiwillige, er wirbt etwa in Deutschland um Spenden…natürlich könnten auch Zuschüsse vom Staat kommen, die einen solchen Dienst ermöglichen.
Was gibt es in dieser Hinsicht schon konkret? Es gibt sie, die so genannten Incoming-Programme, durch die Ausländer in Deutschland freiwillig arbeiten können. Die Bestrebungen sind jedoch noch recht neu und daher mager:
Beispiel 1: Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist auch für Ausländer möglich! Leider konnte ich nicht herausfinden, welche Kosten für den Freiwilligen dabei anfallen. Vgl.: hier
Beispiel 2: Seit 2005 gibt es den IFL, den “Internationalen Freiwilligendienst für unterschiedliche Lebensphasen”. Er gilt für Menschen im Alter von 18-71 Jahre und an ihm können ebenso Ausländer teilnehmen. Im ersten Jahr nahmen so unter anderem 58 Menschen aus 21 verschiendenen Ländern teil.Vgl.: hier
Beispiel 3: Der Verein “Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.” bietet seit 2006 auch ein Incoming-Programm an. So kommen dieses Jahr etwa 75 Menschen aus dem Ausland in deutsche Einrichtungen. Hier ist die finanzielle Situation schon recht gut: Lediglich der Flug muss selbst bezahlt werden, ansonsten bekommen sie monatlich mind. 150 €, kostenlose Unterkunt und Verpflegung, Versicherungsschutz und 20 Tage begleitendes Seminar. Anfangs wurde das Programm über das IFL-Programm vom “Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend” (BMFSFJ) gefördert, leider gibt es diese Unterstützung nun nicht mehr, doch aufgrund der steigenden Nachfrage entschied man sich, das Programm weiterhin anzubieten. Vg.: hier
Sicherlich gibt es noch weitere Beispiele, aber es dürfte klar sein, dass verglichen mit den mehreren Tausend Freiwilligen, die jährlich das Jahr verlassen, es in keinem Verhältnis zum Incoming steht.
Abschließend möchte ich einen Aspekt hinweisen, welcher sich meiner Meinung nach durch breit angelegte Incoming-Programme zuspitzen kann, nämlich den des “Brain Drain”. Das bedeutet, dass gebildete Menschen aus den ärmeren Ländern in reichere Länder abwandern, und so die Situation im Heimatland sich wirtschaftlich noch weiter verschlechtert. Denn viele Menschen greifen lieber nach den neuen Möglichkeiten, die sich ihnen im Ausland bieten, das Heimatland profitiert nur noch indirekt durch Geldüberweisungen der Ausgewanderten an die zurückgebliebene Familie und Verwandtschaft (in vielen armen Ländern wichtige Devisenquelle).
Angesichts der massiv zunehmenden Flüchtlingsströme, welche zu 90 % Wirtschaftsflüchtlinge und zu 10 % politische Flüchtlinge sind, wäre ein Verbot von Incoming-Programmen nur aufgrund des möglicherweise entstehenden Brain-Drain lächerlich. Gerade die enormen Migrationsströme zeigen für mich, wie wichtig Incomings sind, denn dort könnten sie eine wichtige Vermittlerrolle spielen.









